in Beit Sahour - Palästina
Die Vorgeschichte des Projektes

Die Idee der Gründung einer Textilfachschule sowie einer Textilproduktionsstätte entstand 1994 in Beit-Sahour. Mehrere NGO´s und aktive Personen der zivilen Gesellschaft debattierten anlässlich eines Workshops über die Entwicklung in Palästina sowie über Wege und Möglichkeiten zur Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

Eine dieser Möglichkeiten bot die Textilbranche. Einige der Anwesenden begannen unmittelbar mit der Erarbeitung einer Projektskizze. Mit ihrer überzeugenden Projektidee gewannen sie die katholische Kirche vor Ort nicht nur als Partner, sondern als und späteren Hauptträger des Projektes.

Die Schirmherrschaft übernahm der Bischoff von Beit Sahour William Shomali.

Das Projekt wurde 1994 mit mehreren 100 TDM - hauptsächlich aus EU-Mitteln - finanziert. Die Kirche trug später ebenfalls einiges an finanzieller Unterstützung bei.

1995 konnte die Textilfachschule eröffnet und erste Ausbildungskurse angeboten werden. Ende 1999 wurde die Textilfabrik in Betrieb genommen und beschäftigte bis zu 35 Arbeiter.

Die hergestellten Textilprodukte aus eigenem Entwurf wurden vorwiegend nach Kanada, Italien und in die USA exportiert.

Zunächst verlief das Projekt erfolgreich, die Zahl der Mitarbeiter wuchs ebenso wie die Aufträge aus dem In- und Ausland.

Aber durch fatales wirtschaftliches Missmanagement der drei Vorstandsmitglieder des Projektes und nicht zuletzt die Verhinderung des weiteren Exports durch Ausfuhrverbote der israelischen Regierung häuften sich Schulden und das Projekt geriet zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, wurden die Lohnkosten reduziert, mit der Folge, dass die Zahl der Mitarbeiter ständig sank. Am Ende waren es nur neun. Dabei übersah der Vorstand, dass die Gehälter seiner eigenen Mitglieder die Gehälter der gesamten Belegschaft fast überstiegen.

Die miserable wirtschaftliche Situation des Betriebes, die anhaltenden Repressalien der israelischen Besatzungsmacht und nicht zuletzt das Ausbleiben der Aufträge aus dem Ausland, veranlassten die katholische Kirche als Träger des Projektes den Betrieb Ende 2004 endgültig einzustellen.

Der Neustart

Der Verein „Neue Zukunft (Al-Gad-Al Jadid)“ aus Beit-Sahour engagiert sich seit Jahren in verschiedenen Bereichen der Stadt, unter anderem setzt er sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Textilfabrik sowie der Textilfachschule ein. Einige seiner Mitglieder waren als Mitarbeiter oder Ausbilder in dem Projekt involviert.

Der Verein führte nach dem Beschluss der Betriebseinstellung Gespräche mit den Kirchenvertretern mit dem Anspruch, diesen Schritt und seine enormen negativen sozialen Folgen zu verhindern. Anfangs zeigten sich die Kirchenvertreter wenig kooperativ.

Die konzeptionelle Nachhaltigkeit des Vereins „Neue Zukunft“ trug aber Früchte. Inzwischen zeigt sich die Kirche gleichermaßen beeindruckt wie kulant und ist an dem Erhalt der Fabrik und der Schule interessiert. Sie unterbreitete dem Verein ein Angebot zur Übernahme des gesamten Komplexes für einen symbolischen Betrag von umgerechnet 30.000 US $.

Das Angebot umfasst folgende Positionen:

  • Nähmaschinen
  • Zuschneidemaschinen
  • Gesamtbestand des Stofflagers im Wert von ca. 10.000 €
  • Die Fachschule inklusive Ausstattungen
  • Ein Transportfahrzeug (Alter: 10 Jahre)
  • Lagerbestände (bereits hergestellte Kleiderstücke)
  • Pachtfreie Nutzung der Räumlichkeiten (Fabrik- und Schulgebäude) für 5 Jahre mit der Option, je nach wirtschaftlicher Situation, die Nutzung des Gebäudes pachtfrei zu verlängern. Der Verein kommt lediglich für die Nebenkosten auf
  • Sämtliche leerstehende Büros im Gebäudekomplex können von dem Verein genutzt werden.

Zusammengefasst würde dieses Angebot dem Verein nicht nur Geld einsparen, sondern auch die Möglichkeit eröffnen, seine Aktivitäten zu erweitern und auszubauen.

Strategie und Finanzierung

Das Ziel des Vereins ist, in Kooperation mit der Textilfachschule moderne marktgerechte und angepasste günstigere Kleidung herzustellen, die für den heimischen Markt geeignet ist. Mit Hilfe von Fabrikläden in verschiedenen Orten der besetzten Gebiete kann so der heimische Absatz gestärkt werden.

Die ausländischen Auftraggeber sollen durch ein innovatives Marketing neu gewonnen werden - einige der ehemaligen Auftraggeber haben inzwischen signalisiert, wieder mit der Fabrik arbeiten zu wollen, andere haben auf konkrete Planungen und Aufträge verwiesen.

Des Weiteren hat inzwischen der neue Eigentümer des Betriebes, der Verein „Al- Gad-Al-Jadid“ in Zusammenarbeit mit der Textilfachschule ein neues Design für Schuluniformen entwickelt, diese bei den Schulbehörden in den beiden Distrikten Bethlehem und Jerusalem vorgestellt und von den zuständigen Ämtern die Zusage für die Herstellung erhalten. Eine Maßnahme, die dem Betrieb eine sichere jährliche Einnahmequelle garantiert.

Der Verein „Al- Gad-Al-Jadid“ nahm im Sommer des Jahres 2005 Kontakt mit der NAJDEH e.V. auf und bat um die Unterstützung des Vorhabens.

Der Verein hat bereits den Betrieb wieder aufgenommen, denn die Kirche bot dem Verein an, die Bezahlung des Kaufpreises in Raten vorzunehmen Geplant ist, die abschließende Rate im ersten Quartal 2006 zu tilgen.

In Zusammenarbeit mit der Spanischen Organisation für die Hilfe des palästinensischen Volkes „ASECOP“ wurde der Entschluss gefasst, das Projekt gemeinsam zu fördern. Inzwischen wurden die ersten beiden Raten in Höhe von 20.000 $ von beiden Organisationen überwiesen. Offen bleibt die letzte Rate von 10.000 $ und sicherlich weitere anfallende Finanzmittel für Betriebskosten und Material, welches in der ersten Phase benötigt wird, um einen sicheren Start des Betriebes zu garantieren.

Finanzplan

Position

Einzelpreis

Gesamtpreis

Übernahmepreis des Betriebes von der katholischen Kirche

25.000 €

25.000 €

Betriebskosten für die ersten 6 Monate (Elektrizität, Wasser, Verwaltung, Kommunikation,


900 €


3.600 €

Material

6.000 €

6.000 €

Gehälter

9 Mitarbeiter

1 Managerin

 

9 x 330€

600 €

 

17.820 €

3.600 €

Gesamtkosten

 

56.020 €